Konzert 1

Samstag, den  25. August 2018 um 17 Uhr

Sonntag, den 26. August 2018 um 11.30 Uhr

 

Heinrich Heine - Ein Liederbuch

 

17. Kurs Liedinterpretation Detmold/ Gütersloh

Sängerinnen und Sänger der Hochschule für Musik Detmold

Peter Kreutz, Leitung und Klavier

 

Die Kursteinehmerinnen und Kursteilnehmer vom vergangenen Jahr

 

Zum Programm

Jubiläumsjahre von Komponisten und von Dichtern sind immer ein reizvolles  Thema für ein Konzertprogramm, auch bei der jährlichen Wahl des Liedkurs-Themas haben wir in der Vergangenheit an zahlreiche runde Geburtstage, an wiederkehrende Todesjahre, ja sogar einmal an einen Hochzeitstag gedacht, den von Clara und Robert Schumann!

In diesem Jahr ist es ein Notenband, der als Ideenvorlage für die Zusammenstellung der Lieder und mehrstimmigen Gesänge für die Kursarbeit dient. Hoffmann und Campe, der altehrwürdige Hamburger Verlag hat 2005 einen großartigen Liedband veröffentlicht, 76 Vertonungen von Gedichten Heinrich Heines. Eine auch äußerlich ausgesprochen hochwertige Edition, gebunden und in einem Schuber. Der Verkaufspreis war entsprechend hoch angesetzt, doch nun steht uns die Ausgabe sehr preisgünstig zur Verfügung, so dass Studierende und Lehrende der Hochschule für Musik sich auf Entdeckungssuche machen konnten. Wer kennt Lieder (nicht Balladen!) von Carl Loewe, wer Lieder von Giacomo Meyerbeer, Franz Lachner oder Eduard Marxsen? Letzterer ist übrigens der Lehrer von Johannes Brahms! Albert Methfessel, der Niederländer Gerrit Jan van Eijken oder der böhmische Komponist Zdeněk Fibich werden den meisten Hörern ebenfalls völlig unbekannt sein. Alle in dem Liedband aufgeführten Lieder entstammen der Romantik und selbstverständlich ist Franz Schubert hier ebenso vertreten wie Robert Schumann, Johannes Brahms und Felix Mendessohn. Doch gerade bei der Auswahl dieser Lieder ist der Kenner besonders kritisch, hätte das eine oder andere Lied nicht aufgenommen, vermisst ein anderes dafür um so mehr. Für die Kursarbeit sind die Neuentdeckungen ohnehin von einem ganz besonders großen Reiz und werden daher auch im Mittelpunkt stehen.

Schauen wir kurz über den Liedbuchrand: über 8000 Heine-Vertonungen von rund 2500 Urhebern sind aufgelistet, ein gewisser Vesque von Püttlingen ist mit 116 Liedern der mit Abstand fruchtbarste Heine-Komponist. Und wenn wir schon bei Zahlen sind, gibt es natürlich auch eine Rangliste der am häufigsten vertonten Heine-Gedichte: unangefochten auf Platz 1 „Du bist wie eine Blume“ in nicht weniger als 428 Vertonungen, das ist mehr als doppelt soviel wie das zweit platzierte Gedicht „Ein Fichtenbaum steht einsam“. Es war Heinrich Heines ausdrücklicher Wunsch, als Liederdichter einst ebenso populär zu werden wie die gefeierten Vorbilder Johann Wolfgang Goethe, Wilhelm Müller, Friedrich Rückert oder Ludwig Uhland: „Ihr Lieder! Ihr meine guten Lieder! Auf, auf! Und wappnet euch !“ Doch seine von ihm selber hier für besonders geeignet gehaltenen Gedichte wurden von vielen Komponisten als unkomponierbar bezeichnet. Heine mag sich dann damit getröstet haben, „unkomponierbar“ seien sie nur für jene Beschränkten, die sie nicht zu komponieren verstünden. Die Tondichter des 19. Jahrhunderts griffen aus Heines Werken vorzugsweise zur ironiefreien Liebespoesie des „Buchs der Lieder“. 

Die vorliegende Auswahl der Lieder von Hoffmann und Campe erzählt viel von der Beziehung Heinrich Heines zu „seinen“ Komponisten. Paris ist ein Ort gewesen, wo man sich in Privatsoireen der Salons traf, das betrifft Richard Wagner genauso wie Franz Liszt, Stephen Heller, Hector Berlioz und Giacomo Meyerbeer. Aber auch die junge Clara Wieck machte 1839, also ein Jahr vor ihrer Heirat mit Robert Schumann, auf einer Konzertreise in Paris Heines Bekanntschaft. Nach einem Abendessen beschrieb sie ihn als „sehr geistreich“, aufgrund seiner Augenkrankheit aber auch als „melancholisch und unglücklich“. Fanny Hensel dagegen bewunderte zwar den Dichter Heine und vertonte über 20 Gedichte von ihm, von seiner Persönlichkeit war die Schwester von Felix Mendelssohn aber abgestoßen, er spräche ewig von sich und verlange entsprechende Aufmerksamkeit. 

In jedem Fall verspricht das Kurskonzert zahlreiche Entdeckungen von wirklichen Schätzen, es eröffnet unsere 20. Saison. Darüber hinaus sind Sie herzlich eingeladen, den öffentlichen Unterricht am Donnerstag, 23. August von 15 bis 18 Uhr in der Kirchstraße 18 zu besuchen. Kommen und Gehen ist hier jederzeit möglich!